Tag 4 – stinkig auf die Lofoten

Dienstag, 19. Juni. Rechtzeitig zum Aufstehen um 7.00 Uhr regnete es tatsächlich nicht mehr und wir hätten entspannt frühstücken und zusammenpacken können, wären nicht geschätzt eine Million kleiner, beißender Mücken um uns herum geschwirrt. Also dann doch nur ein schneller Kaffee, Zeug in die Kisten – und schon war unser Trio wieder auf der Straße in Richtung Bodo, um von dort aus die 18.40 Uhr Fähre auf die Lofoten zu erreichen. Nachdem am Vorabend telefonisch niemand mehr bei der Fährgesellschaft erreichbar war wurde uns morgens freundlich mitgeteilt, dass eine Reservierung nur am Vortag möglich ist, wir aber einfach zwei Stunden vor Abfahrt vor Ort sein sollen, dann wäre das kein Problem. Also 16.40 Uhr, knapp 8,5 Stunden für rund 660 km auf Straßen, auf denen maximal 80 km/h zulässig sind. Knappe Kiste.

Kaum im Auto, wie war’s auch anders zu erwarten, began es dann mal wieder zu regnen, insgesamt war der Tag aber wechselhaft und es gab einige sonnige Abschnitte. Nach einem kurzen Tankstellenstop mit traditionell schottischem Frühstück (ein Hotdog und ein Kaffee) fühlten wir uns gegen 11.00 Uhr bereit für die heutige Challenge: Öffne eine Dose Surströmming und transportiere diese anschließend im Fahrzeug 200 km. Beeindruckend, wieviel Respekt sechs erwachsene Männer doch vor einer Dose Fisch haben können, nur weil diese dank ausgiebiger Gährung leichte Wölbungen aufweist. Tatsächlich war das Ding dann aber schnell geöffnet, der erste ausströmende Geruch irgendwann halbwegs verdaut und dann wurde die geöffnete Dose in einer Tupperschüssel, welche zusätzlich mit ausreichend Frischhaltefolie eingewickelt war, transportsicher im Auto verstaut, nämlich exakt bei Kilometerstand 234.600 km. Tatsächlich, wir konnten es kaum glauben, war der insgesamt wirklich fiese Geruch dieser schwedischen „Spezialität“ trotz zweifacher Verpackung mehr als nur bemerkbar und wir freuten uns um so mehr, uns fast genau 200 km später von unserem schwedischen Fischchen zu trennen. Heiko wollte es sich trotzdem nicht nehmen lassen, eine Messerspitze zu kosten – bereute diese Entscheidung aber bereits nach wenigen Sekunden.

Unterwegs teilte sich die Gruppe, weil Team #247 beim Einkaufsstop feststellen musste, dass vorne rechts auf blankem Metall gebremst wurde. So ging es denn zu zweit weiter in Richtung Polarkreis, den wir denn auch gegen 15.00 Uhr erreichten. Parallel bekamen wir die Nachricht, dass unsere Schweizer binnen knapp 30 Minuten beidseitig vorne ihre Bremsbelege getauscht hatten uns uns bereits mit rund 150 Sachen auf der Uhr im Nacken saßen. Kaum den Standort am Polarkreis zurückgesendet, hörten wir denn auch die altbekannte Fanfare des Audi A6, als dieser zügig den Polarkreis passierte … die beiden Verrückten hatten uns soeben ein- und auch gleich noch überholt.

Die Fähre erreichten wir schließlich gegen 17.30 Uhr und trafen dort auch jede Menge Rallye-Kollegen, die bereits auf den Lofoten-Zubringer warteten. Unser Standplatz war auf Platz 7 in Linie 4 im Bereich „ohne Reservierung“ … und bis kurz vor Ende der Reihe 3, nämlich genau bis zum Audi der beiden Schweizer, waren bereits Tickets verkauft. Anschließend sollten diese nur noch fahrzeugweise herausgegeben werden, bis der letzte Platz besetzt ist. Die Stimmung unter den Teilnehmern war ausgelassen, hier und da gab es ein Schnäppchen oder ein paar spannende Anekdoten der vergangenen Tage. Die Fähre wurde beladen, Fahrzeug für Fahrzeug ging aufs Schiff … und auch der Audi sollte nun als einer der letzten Nachzügler sein Ticket erhalten. Spannung! Dann die Whatsapp-Message von „Clint Eastwood“: „Ich hab dem Fährmann gesagt ihr zahlt 5.000 € für 2 Volvo-Stellplätze“. Und tatsächlich, die letzten beiden Stellplätze gingen an uns und unseren „Partnervolvo“ von Team #210 – wir hatten es geschafft und dann dreieinhalb bange Stunden auf der Fähre, weil wir ständig darauf warteten, dass jemand sein privates „Honorar“ einfordert. Unsere Geldbeutel blieben aber beruhigenderweise unberührt.

Angekommen auf den Lofoten, unserem ersten großen Zwischenziel mit Rallyeparty am kommenden Abend, ging es noch kurz auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz und gegen 23.00 Uhr war dieser denn auch endlich gefunden. Knapp eine Stunde später lag jeder im Schlafsack und versuchte zu pennen, bei Tageslicht als sei es 12.00 Uhr mittags.

Fazit des Tages: Im Dunkeln ist gut Munkeln. Doch ist es draußen nachts noch hell, schläft es sich dann doch recht schnell.

Unterwegs: 15,5 Stunden   Tagesstrecke: 696

km (zzgl. Fähre)