Tag 9 – dann eben Estland

Sonntag, 24. Juni. Es war wohl 7.30 Uhr, als sich Patricks Bett plötzlich bewegte und aus der vorderen Fahrkabine der Satz schallte: „ab in die Sonne“. Einige Wendemanöver später stand der Volvo im strahlenden Licht und beide Rallyeteilnehmer waren wach.

Beim ersten Kaffee am Morgen wurden dann die kommenden Tage geplant. Die Entscheidung, die Finnlandroute zu wählen, hatte einiges an Zeit gespart, die großen Strecken der vergangenen drei Tage zusätzlich geholfen, nun recht weit vorne in der Planung zu sein. Laut Roadbook hätten wir an besagter Stelle erst eineinhalb Tage später ankommen sollen. Was also tun? Weiter durch Finnland und bewußt gemütlicher, oder gleich die restlichen knapp sechs Stunden bis nach Helsinki. Oder doch noch an die knapp neun Stunden entfernte, russische Grenze und die Jungs vom Konvoi in St. Petersburg treffen?

Die Entscheidung fiel zunächst auf Russland, zwecks Schlafplatz wurde Kontakt mit den Kollegen aus #210 und #247 aufgenommen. Und eigentlich stand die Entscheidung fest, bis wir uns an eine Frage vom Vortag erinnerten, die uns das Team eines Rallye-BMW an einer Tankstelle gestellt hatte: „Fahrt ihr komplett Finnland?“ – „Ja auf jeden Fall“. Das nämlich war der Moment gewesen, als uns die beiden Franken einen Großteil ihrer Biervorräte und eine Flasche Jägermeister ins Auto gepackt hatten, um an der russischen Grenze keine Probleme zu bekommen. Erstes Problem für uns. Dann wurde im Rallyechat über Einreiseprobleme gesprochen zwecks Kopfwehtabletten und anderer Medikamente. Davon hatten wir dank mitfahrendem Teilinvalide nun auch nicht unbedingt wenig im Gepäck, die noch dazu keinesfalls abgegeben werden konnten. Zweites Problem für uns. Soll wohl nicht sein – eine klare Erkenntnis. Also Helsinki oder gleich auf die Fähre und ab nach Estland?

Ein kurzer Vergleich der Städte und die Entscheidung war getroffen! Über Airbnb schnell ein kleines Apartment für drei Nächte gemietet und ein paar Stunden später standen wir in Helsinki an der Fähre in Richtung Tallinn. Dort wollten wir die kommenden zwei Tage zu Fuß die Stadt erkunden, bevor es am kommenden Mittwoch dann auf die noch knapp 150 km entfernte Rallyeparty geht. Nachdem wir im SAC-Track zu dem Zeitpunkt bereits an der Spitze aller Rallyefahrzeuge standen war es wohl auch an der Zeit, das Tempo etwas zu reduzieren um die restlichen Teilnehmer nicht zu schwach aussehen zu lassen, nach kurzer Recherche waren es nämlich nur noch knapp 24 Stunden bis Hamburg, wo schließlich heute in einer Woche der Zieleinlauf geplant ist.

Im Apartment angekommen genossen wir gegen 23.00 Uhr noch die raffinierte Küche des Erasko-Rants und eine Erbsensuppe später folgte die wohlverdiente Tiefschlafphase.

Unterwegs: 9,5 Stunden zzgl. 3,5 Stunden Fähre   Tagesstrecke: 640 km