Tag 10 – Eisbrecher voraus

Montag, 25. Juni. Nachdem auch Heiko es zum ersten Mal seit knapp 10 Jahren geschafft hatte, bis knapp 10.30 Uhr zu schlafen, wurde der Tag in Tallinn recht gemütlich gestartet. Genau gegenüber unseres kleinen Apartments konnten wir im Café Reval ausgiebig frühstücken, bevor wir kurz einkaufen und uns dann auf in Richtung Altstadt machen wollten. 

Der Weg führte uns zunächst ins Hotel Viru, welches 1972 von finnischen Arbeitern erbaut wurde und in den Siebzigern zu den fünf besten Hotels der Sowjetunion zählte. Hier gaben sich Prominente und Politgrößen in vergangenen Tagen die Hand, es war eine der ersten Adresse für Ausländer, um vor Ort Geschäfte abzuwickeln. Im 23. Stock des offiziell 22-stöckigen Gebäudes verbarg sich allerdings ein düsteres Geheimnis – hier hatte der KGB seine Räume und hörte die meisten Bereiche des Hotels mit Technik a la James Bond ab. Grund genug, sich vor Ort für die Führung am kommenden Mittag anzumelden.

Weiter ging es in Richtung Seaplane Harbour, einem Museum untergebracht in einem beeindruckenden, historischen Wasserflugzeughangar. Dort konnte unter anderem der 1913 erbaute Eisbrecher „Suur Töll“ ausgiebig besichtigt werden. Nicht nur das Baujahr und die ähnliche Aufmachung des Schiffs erinnerten dabei stark an Szenen aus James Camerons „Titanic“, auch viele Details des alten Kahns ließen das Baujahr schnell erahnen. Da beinahe der gesamte Bereich des Schiffs zugänglich und restauriert ist, konnte man hier einiges an Zeit verbringen. Anschließend folgte die Besichtigung des 1937 gebauten U-Boots „Lembit“, 1940 bis 1979 als U-Boot der sowjetischen Marine im Dienst und anschließend Museumsschiff. Es war zusammen mit anderen Schiffen der baltischen Flotte an der Evakuierung Tallinns im zweiten Weltkrieg beteiligt und trug bis zum Mai 2011 den Ehrentitel „Estnisches Militärschiff Nr. 1“, nachdem es 1994 der estnischen Marine zurückgegeben wurde. Im Museum konnten außerdem diverse Kleinsegelboote, Wasserminen, Geschütztürme und vieles mehr entdeckt werden, wodurch wir beinahe den gesamten Nachmittag im Seaplane Harbour verbrachten. Auch die Spielecke für die Kleinen, unter anderem die Bastelanleitung für Papierflieger oder die ferngesteuerten Modellbote, kamen bei den beiden Rallyekindern äußerst gut an.

Auf dem Rückweg durch die Altstadt gönnten wir uns noch ein Gläschen Bier, bevor wir, zurück im Apartment, unserer Küche einheizten bei der Zubereitung unseres Abendessens. Während wir dieses genüsslich verspeisten wurde uns bewußt, dass es bereits nach 23.00 Uhr war und man sich von den Lichtverhältnissen des nordischen Sommers definitiv nicht durcheinander bringen lassen darf. So führte uns der folgende Weg denn auch irgendwann auf die heiligen Matratzen. 

Unterwegs (zu Fuß): 7,75 Stunden   Tagesstrecke: ca. 6 km