Tag 11 – Mittelalter, KGB und Kalorien

Dienstag, 26. Juni. Ein weiterer Tag unseres spontanen Städtetrips startete mit einem gemütlichen Frühstück, dank eigener Küche inklusive Spiegelei und frisch aufgebackenem Brot. Die richtige Grundlage, um gegen 11.00 Uhr das Hotel Viru anzusteuern und dort kurze Zeit später unsere angemeldete Führung zu beginnen.

Mit dem Aufzug ging es hinauf in den 22. Stock, dem offiziell höchsten Stockwerk des Gebäudes, dann in ein Treppenhaus und ein weiteres Geschoss nach oben. Hier erfuhren wir viele Details zu dem aus „Mikrobeton“ errichteten Gebäude, laut Guide eine Mischung aus Mikrofonen und Beton. Das Interhotel war hauptsächlich für Gäste aus dem nicht-sozialistischen Ausland, besonders für finnische Touristen und auch für Prominente wie Neil Armstrong oder Elizabeth Taylor, die erste Adresse – und bis 1980 gar das einzige Hotel in Tallinn mit internationalem Standard.

Grund genug für den KGB, sich im 23. Stock des Gebäudes einzurichten und zahlreiche Zimmer sowohl akustisch als aus visuell zu überwachen. Auch Angebote wie der Limousinenservice des Hotels wurden von den Gästen gerne in Anspruch genommen, die Fahrerposition dafür ebenfalls mit Vorliebe vom KGB besetzt, um Gespräche im Fahrzeug mitzuhören. Auch wenn die Räume nur nachgestellt sind war es doch eine kleine Zeitreise in eine vergangene Ära, mit einigen spannenden Überwachungstechniken. Bereits in den Siebzigern wurde beispielsweise Porzellan mit doppeltem Boden mit Mikrofonen versehen, um kabellos (mit einer batteriebetriebenen Dauer von bis zu einer Woche!) beispielsweise in der Bar des Hotels Gespräche am Tisch zu belauschen. Und die laut Architektenplan des Gebäudes berücksichtigten Mitarbeiterräume hatte zu jener Zeit kein Mitarbeiter des Hotels betreten, weil auch hier fleißig mitgehört und Gespräche aufgezeichnet bzw. mitgeschrieben wurden.

Wieder in der Gegenwart angekommen ging es auf in die Innenstadt, wo wir den Charme und Charakter Tallinns auf unser Wirken lassen wollten. Die Hauptstadt Estlands ist in Europa angekommen und wirkt auf uns wie eine typisch westliche Hansestadt. Umschlossen von einer historischen Stadtmauer mit kopfsteingepflasterter Altstadt läd diese zum schlendern ein, Cafés reihen sich an Restaurants, in den zahlreichen schmalen Gässchen gibt es viel zu entdecken. Mittag machten wir im Kompressor, einem Insidertipp der Stadt. Hier gibt es Pfannkuchen in allen nur erdenklichen Variationen. Unsere Wahl viel auf Erdbeeren, Quark und Sahne und auf Pfirsich, Creme und Camembert.

Der mittelalterliche Charakter der Stadt wird auch noch gelebt, zahlreiche Lokale wie das Olde Hansa erinnern mit leckeren Speisen und Kräutergetränken, zubereitet wie zu Zeiten der Hanse, mit Musik aus diesem Zeitalter und mit gewandetem Servicepersonal an diese Epoche.

Auf dem Domberg, der einen tollen Ausblick über die Stadt und auch den Hafern liefert, ging es vorbei an verschiedenen Botschaften, bevor wir zurück in Richtung Apartment wanderten. Abends ging es erneut in die Gassen der Stadt, um im St. Patricks, welch einladender Name, mit einem deftigen Abendessen den letzten Abend unserer Stadtreise zu genießen, bevor wir morgen die 150 km entfernte Rallyeparty an der Ostsee ansteuern.

Unterwegs (zu Fuß): 8 Stunden   Tagesstrecke: ca. 7 km