Tag 15 – erwischt an der Grenze

Samstag, 30. Juni 2018 … den Grillplatz hatten wir verlassen, uns über 10 km Acker gequält, eine Landstraße entdeckt und dann die EU-Außengrenze Russland/Polen angesteuert. Quer durch Kaliningrad führte uns die Route, über welche wir knapp nach Mitternacht die russische Grenze erreichten. Diese war erstaunlicherweise mit einmal alles aufmachen inklusive Motorraum und Dachbox, authoritär über das Gepäck schauen und ein paar mal blättern im Reisepass nach 15 Minuten gemeistert. Kurze Zeit später standen wir dann an der polnischen Grenze, öffneten schon fast automatisch unser Fahrzeug und beantworteten die Frage, ob wir Alkohol oder Zigaretten im Fahrzeug hatten selbstbewußt mit „ja“.

Helmut von Team #247 hatte uns gefragt, ob wir als Nichtraucher für ihn einige Zigaretten transportieren könnten, zwei Stangen pro Person wären zulässig. So hatten wir also drei Stangen russischer Marlboro im Fahrzeug, davon zwei offensichtlich direkt im Kofferraum liegend, eine etwas unzugänglicher in einem Seitenfach.

Da lag es nahe, die Frage „wieviele“ mit zwei zu beantworten, um sich unnötige Handgriffe zu sparen … und auf die verdutzte Frage, ob wir von zwei Päckchen sprechen würden, entgegneten wir auch ohne zu zögern mit Nein – zwei Stangen. Joah, komisches Gefühl, wenn der Kontrolleur dann die Augen ziemlich weit aufreißt und meint „ooooh, that’s too much!“.

Kurze Zeit später waren wir aufgeklärt, während von Russland nach Polen im Flugzeug oder per Schiff 200 Zigaretten, also eine Stange, eingeführt werden dürfen, sind es im PKW nur 40 Stück, also zwei Schachteln pro Kopf. Selbstbewußt zeigten wir ihm prompt noch einen Artikel im Internet, in dem von 800 Zigaretten gesprochen wurde (darin ging es um die Einfuhrmenge von Polen nach Deutschland … aber das war ja zweitrangig) und er verschwand im Zollhäusschen, um die Situation zu klären, bevor er meinte, wir sollen es weiter vorne direkt zugeben, die Stangen auf die Theke legen und unser Problem kurz schildern. Während wir die 10 Meter rollten dann die „Volvo-interne“ Besprechung: was machen wir mit Stange Nr. 3, die noch hinten in der Holzkonstruktion liegt …

Wir beschlossen, die ehrliche Variante zu wählen, legten am Schalter motiviert drei Stangen Zigaretten auf die Theke und stellten uns, ganz intelligent, blöd! Aufklärung hier, Verwarnung dort … irgendwann kam dann die Entscheidung des Chefs. Wir werden kontrolliert, müssen das Fahrzeug ausräumen, und wenn noch irgendwo zusätzlich Zigaretten auftauchen bekommen wir Ärger. „Ehrlich“ währt halt doch am längsten.

Eine gute halbe Stunde später hatten wir eine ausgiebige, aber doch ganz umgängliche Komplettkontrolle hinter uns, wobei uns die Leibesvisitation erspart blieb und konnten unsere Weiterreise antreten, nachdem der Leiter der Zollstelle ein gemeinsames Selfie mit kritischem Blick verneint hatte. Willkommen zurück in Europa.

Um Zeit gut zu machen, fuhren wir noch bis 3 Uhr morgens durch Polen, suchten uns einen Schlafplatz im Grünen und fuhren dann den restlichen Samstag durch das komplette Land bis an die deutsche Grenze. Von dort aus ging es nach Usedom in das Ferienhaus von Freunden, die dort aktuell Urlaub machen, um beim gemeinsamen Abendessen von unseren Erlebnissen zu berichten und die extra morgens noch entwickelten Bilder unserer Challenges ins Roadbook einzukleben.

Unterwegs: knapp 4 Stunden (nachts) + 11 Stunden   Tagesstrecke: ca. 670 km